Wo Europa endet und Afrika beginnt – zwischen der Küste Siziliens und der Küste Tunesiens, zwischen zwei Kontinenten, liegt Malta. Eine kleine Insel, die so viel Geschichte
atmet, wie kaum ein anderer Ort auf dieser Erde. Völker kamen und gingen – Phönizier, Griechen, Römer, Araber, Normannen, Ritter – und alle haben ihre Spuren hinterlassen, nicht nur in den
Mauern, sondern auch in der maltesischen Sprache, die wie ein lebendiges Archiv dieser Begegnungen klingt.
Doch weit vor all diesen Eroberern, weit zurück in einer Zeit, die wir kaum fassen können – etwa zwischen 3800 und 2500 v. Chr.
– entstand etwas Einzigartiges: Auf Gozo wurden sechs, auf Malta 22 gewaltige Tempel aus riesigen Steinblöcken errichtet, die älter sind als die Pyramiden von Gizeh. Erbaut von
Menschen, die zwischen 6000 und 4000 v. Chr. die Inseln erreichten – mit nichts als ihren Händen, ihrem Glauben und ihrem
Wissen.
Und die archäologischen Funde erzählen eine Geschichte, die uns tief berührt: Es war eine Kultur, in der die Frau im Mittelpunkt stand. Die Tempel sind ihr gewidmet, die Figurinen
zeigen sie in ihrer Fülle, die heiligen Räume sind nach ihren Körpern geformt – eine Welt, in der das Weibliche nicht neben dem Leben stand, sondern sein Ursprung war.