Was dich erwartet – die Welt der neolithischen Frauen von Malta

Eine Reise zu den Tempeln, die von einer Zeit erzählen, in der die Frau im Mittelpunkt stand

Mnajdra

© Enrique Íñiguez (CC-BY-SA)
Mnajdra_Temples Eingang

Der beeindruckendste der Tempel ist zur Tag-und-Nacht-Gleiche exakt nach dem Sonnenlauf ausgerichtet – dann fallen die ersten Strahlen durch das Haupttor und erhellen den heiligen Raum, dessen Grundriss sanft an die Form des weiblichen Beckens erinnert.

Hagar Qim

Von ERWEH - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2602838
Eingang Ħaġar Qim

 ... Hier wurden einige der berühmten "dicken Damen"-Statuen gefunden – jene rundlichen Figurinen, die uns von einer Zeit erzählen, in der die Frau im Mittelpunkt stand. Der Tempel selbst ist nach ihrem Bild geformt: rund, einhüllend, gebärend.

 


Tarxien

Berthold Werner - Own work CC BY-SA 3.0
More details Malta, Tempel von Tarxien, Magna Mater.

... Berühmt ist sie für ihre detailreichen Reliefs von Tieren und Spiralen – und für die Steinrollen, die noch heute zeigen, wie die gewaltigen Megalithen einst transportiert wurden. Die ineinander verschlungenen Räume erinnern an die Kammern des weiblichen Leibes.

Hypogeum von Ħal Saflieni

Von xiquinhosilva - https://www.flickr.com/photos/7138083@N04/27798202362/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=118878367
Hal Saflieni Hypogeum – Middle Level – The Central Chamber

... In einer der Kammern wurde die "Schlafende Dame" gefunden, eine der ältesten weiblichen Darstellungen überhaupt, die auf einem Bett ruht. Das gesamte Hypogeum wirkt wie ein Gang durch den Mutterleib der Erde – eng, dunkel, geborgen, bis man wieder ans Licht tritt.


Von Fotograf: Jan van der Crabben (Jvdc) - http://www.ancient.eu.com/image/245/, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13862173
Die Schlafende aus dem Hypogäum von Hal Saflieni- Diese Tonfigur einer liegenden Frau wurde in einer der Höhlen des Hypogäums von Hal Saflieni auf Malta gefunden. Sie weist Spuren roter Ockerfarbe auf.

Wenn du durch diese Tempel gehst, wirst du es spüren: Sie sind nicht nach geometrischer Perfektion gebaut, sondern nach dem Vorbild des Lebens selbst. Die Rundungen, die Nischen, die tiefen Kammern – sie ahmen den weiblichen Körper nach, seine Hüften, seinen Bauch, seinen Schoß. Hier hat man nicht zu einem Gott hinaufgeblickt – man ist in den Leib der Göttin eingetreten.

Gozo

Ġgantija

Xerri's Grotto,


 ... Die Legende schreibt sie einem Geschlecht von Riesen zu – "Ġgant" bedeutet im Maltesischen "Riese". Und doch ist ihr Grundriss von erstaunlicher Sanftheit – eine Einladung, den Schoß der Großen Mutter zu betreten.

Angelika Klatte eigenes Foto
Xerri's Grotto in Xaghra, Gozo - Maltatina

... Über eine enge Wendeltreppe hinab steigt man in eine stille Welt aus Stalaktiten und Stalagmiten, die an Tiere und geheimnisvolle Gestalten erinnern. Die Grotto selbst fühlt sich an wie der dunkle, warme Mutterleib der Insel – verborgen, schützend, uralt.