
Der beeindruckendste der Tempel ist zur Tag-und-Nacht-Gleiche exakt nach dem Sonnenlauf ausgerichtet – dann fallen die ersten Strahlen durch das Haupttor und erhellen den heiligen Raum, dessen Grundriss sanft an die Form des weiblichen Beckens erinnert.

... Hier wurden einige der berühmten "dicken Damen"-Statuen gefunden – jene rundlichen Figurinen, die uns von einer Zeit erzählen, in der die Frau im Mittelpunkt stand. Der Tempel selbst ist nach ihrem Bild geformt: rund, einhüllend, gebärend.

... Berühmt ist sie für ihre detailreichen Reliefs von Tieren und Spiralen – und für die Steinrollen, die noch heute zeigen, wie die gewaltigen Megalithen einst transportiert wurden. Die ineinander verschlungenen Räume erinnern an die Kammern des weiblichen Leibes.

... In einer der Kammern wurde die "Schlafende Dame" gefunden, eine der ältesten weiblichen Darstellungen überhaupt, die auf einem Bett ruht. Das gesamte Hypogeum wirkt wie ein Gang durch den Mutterleib der Erde – eng, dunkel, geborgen, bis man wieder ans Licht tritt.

Wenn du durch diese Tempel gehst, wirst du es spüren: Sie sind nicht nach geometrischer Perfektion gebaut, sondern nach dem Vorbild des Lebens selbst. Die Rundungen, die Nischen, die tiefen Kammern – sie ahmen den weiblichen Körper nach, seine Hüften, seinen Bauch, seinen Schoß. Hier hat man nicht zu einem Gott hinaufgeblickt – man ist in den Leib der Göttin eingetreten.
... Die Legende schreibt sie einem Geschlecht von Riesen zu – "Ġgant" bedeutet im Maltesischen "Riese". Und doch ist ihr Grundriss von erstaunlicher Sanftheit – eine Einladung, den Schoß der Großen Mutter zu betreten.

... Über eine enge Wendeltreppe hinab steigt man in eine stille Welt aus Stalaktiten und Stalagmiten, die an Tiere und geheimnisvolle Gestalten erinnern. Die Grotto selbst fühlt sich an wie der dunkle, warme Mutterleib der Insel – verborgen, schützend, uralt.